Schulhund,  Verschiedenes

Schulhund FAQ

Ich versuche hier die wichtigsten Fragen rund um das Thema Schulhund zu beantworten. Sie beziehen sich auf die Ausbildung und Arbeit in Rheinland-Pfalz und es ist natürlich nur eine Sicht der Dinge.

Warum ein Hund in der Schule?

Hier eine Auflistung der Auswirkungen, die in Studien herausgefunden wurden, und die ich so bestätigen kann:

  • Steigerung der Sozialkompetenz und Rücksichtname (bei so vielen Kindern muss der Einzelne sich selbst zurücknehmen, damit es dem Hund gut geht. Das fällt vielen Kindern zu Beginn nicht leicht)
  • Abbau von Ängsten und Einsamkeit (neue Schüler haben oft erst mal Angst vor den Hunden. Sehen dann aber, wie die anderen Kinder mit ihnen umgehen und können ihre Ängste oft schon nach kurzer Zeit überwinden)
  • Minderung von Aggressivität (Hunde haben auf viele Kinder eine beruhigende Wirkung)
  • Steigerung der Motivation (Wenn ein Hund im Klassenraum ist, hat man immer was zum Gucken und langweilt sich nicht so schnell. Besonders wenn der Hund mit in den Unterricht eingebunden wird, z.B. beim Vokabeln lernen, sind die Schüler enorm motiviert.)
  • Verbesserung des sozialen Klassengefüges (die Schüler weisen sich oft auf unangebrachte Verhaltensweisen hin, wenn ein Hund im Raum ist und lernen so sich sozialer zu verhalten.)
  • Förderung des Respekts im Umgang mit der Natur (durch den Regelmäßigen Umgang mit einem Tier, dass nicht für sich selbst sprechen kann, sondern auf unsere Rücksichtname angewiesen ist, können die Kinder sehr viel lernen, was man nicht in der Theorie vermitteln kann.)

Wie haben wir uns im Vorfeld auf den Einsatz in der Schule vorbereitet?

  • wir haben einen Welpen- und einen Junghundekurs in der Hundeschule besucht
  • generell sehr auf die Erziehung geachtet
  • weiterhin im Hundeverein 1-2 Mal pro Woche an verschiedenen Dingen gearbeitet
  • und das Wichtigste: wir haben eine 6-monatige Schulhundausbildung am Seminar für tiergestützte Pädagogik in Bernkastel-Kues absolviert. Die Ausbildung endete mit einer theoretischen und einer praktischen Prüfung.
  • Zur Eingewöhnung durfte Aiko eine Stunde pro Woche mit 6 Kindern an der Schulhund-AG teilnehmen. Das kann ich wirklich sehr empfehlen, weil man die wenigen Kinder sehr genau instruieren kann und Zeit hat sich voll auf seinen Hund zu konzentrieren. Im täglichen Unterrichtsbetrieb ist das nicht in dieser Form möglich.

Was muss man alles beachten, wenn man seinen Hund als Schulhund zulassen will?

  • er muss natürlich für die Arbeit mit Kindern geeeignet sein. Das merkt man meist schon, wenn man den Hund mit Kindern der Familie oder dem Bekanntenkreis beobachtet.
  • scheint der Hund erst mal geeignet, braucht man als erstes die Zustimmung der Schulleitung.
  • Danach braucht man die Zustimmung von Kollegium, Eltern und Schülern. Dazu stellt man sein Konzept im Rahmen einer Gesamtkonferenz vor und es wird darüber abgestimmt.
  • anschließend durchläuft man die Schulhundausbildung. Es gibt hier noch keine einheitlichen Regelungen, aber es ist meiner Meinung nach extrem wichtig
  • im Rahmen der Schulhundausbildung wird erklärt, wie man sein eigenes Schulhundkonzept schreibt, dass man verschiedenen Stellen vorlegen muss. Darin stehen die wichtigsten Eckdaten und man erklärt, wie man seinen Hund in der Schule einsetzen wird.
  • Selbstverpflichtung ausfüllen
  • verschiedene Stellen müssen informiert werden (ADD)
  • regelmäßige Gesundheitskontrollen durchführen und dokumentieren
  • Hygienebestimmungen einhalten (Hund darf z.B. nicht in die Küche)

Was ist wenn ein Kind eine Hundehaarallergie hat?

  • bei uns können die Schüler bei der Anmeldung zur 5. Klasse angeben, ob sie in eine Hundeklasse möchten oder nicht
  • da jeden Tag geputzt wird und sich der Hund nur an wenigen Tagen für einige Stunden in der Schule aufhält, werden Kinder mit Allergien aus anderen Klassen in der Regel nicht beeinträchtigt
  • Tatsächlich hat nur unsere Sekretärin eine Hundehaarallergie und so lange sie die Hunde nicht streichelt, überhaupt keine Probleme.

Wie lief der 1. Tag in der Schule ab und was wurde dafür benötigt?

Meine Schüler waren durch unsere beiden anderen Schulhunde schon Hundeerprobt und konnten Aikos ersten Arbeitstag kaum erwarten. Trotzdem ist es wichtig langsam einzusteigen.

Wochen vor Aikos erstem Besuch haben wir alles Wichtige in der Theorie besprochen. Dazu gehörten beispielsweise die Aufgaben des Hundediensts (Geschirr am Anfang der Stunde aus- und am Ende wieder anziehen, Hund zum Lehrerimmer führen, Decke und Napf bereitstellen und wieder wegräumen), Do’s und Don’t’s im Umgang mit Hunden, Körpersprache und ein Grundwissen rund um den Hund. 

Für die erste Begegnung zwischen Schulhund und Kindern empfiehlt es sich den Hund erst auf seiner Decke anzuleinen und sich dazuzustellen. Es gibt immer Kinder, die sich nicht trauen zu sagen, das sie Angst haben. Die Leine gibt diesen Kindern Sicherheit, um ihre Ängste langsam abzubauen. Die Kinder durften erst einmal alle Fragen stellen, die ihnen zu Aiko eingefallen sind.

Wer mochte, durfte Aiko dann ein Leckerli geben. Danach haben wir mit einfachen Tricks angefangen, da die Kinder ja schon an Hunde gewöhnt waren und sich dies gewünscht hatten. Erst wenn alle Kinder sich wohlfühlen, kommt die Leine ab.

Nachdem sich alle beschnuppern durften, haben wir mit dem normalen Unterricht angefangen. So konnte sich Aiko in ruhiger Atmosphäre umsehen und entspannen. Er hat sich dann zu einem besonders ruhigen Kind unter den Tisch gelegt und gedöst. Das macht er heute immer noch so.

Dieses Prozedere wiederhole ich mit allen neuen Klassen und AG-Kindern, zu denen ich Aiko regelmäßig mitnehmen möchte.

Wie oft und wie lange ist Aiko mit in der Schule?

Aiko kommt in der Regel 1-2 mal pro Woche mit in die Schule. Es gibt aber auch mal Wochen, in denen es sich nicht anbietet. Meist hole ich ihn vor unserer Hunde-AG von Zuhause ab, damit es nicht zu viel für ihn ist. Dann ist er nur diese eine Stunde mit in der Schule.

Zusätzlich nehme ich ihn in der Regel noch einen anderen Tag mit. Meist ein Tag, an dem ich etwas früher frei habe.

Generell kommt es ganz auf den Hund an und man muss einfach mal testen, was funktioniert.

Was für eine Ausstattung braucht ein Hund in der Schule?

  • das Wichtigste ist ein Rückzugsort, wo niemand den Hund stören darf. Wir haben eine Stoffbox, die neben meinem Pult steht und für die KInder absolut Tabu ist.
  • Wassernapf
  • Geschirr (die Kinder rennen gerne mal mit Aiko an der Leine, weil er das auch gerne mag, da wäre mir ein Halsband zu riskant)
  • Decke (bietet sich an, um den Hund abzulegen, während man etwas erklärt)
  • Lappen oder Tücher und Seife zum Händewaschen
  • optional: Spielzeug, Intelligenspielzeug, Kauartikel, Clicker, etc.

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