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Die wohl spektakulärste Wanderung in Norwegen: Unser Trip zur Trolltunga mit Übernachtung

Die Vorbereitungen

Da wir in der Nähe der Trolltunga zelten wollten, verbrachten wir erst mal den Vormittag damit, unsere Rucksäcke mit allem Nötigen zu packen und das war nicht gerade wenig. Zudem muss man in Norwegen mit jedem Wetter rechnen. Wir hatten aber Glück im Juli 2018 dort zu sein. Es war außergewöhnlich warm und trocken, so dass wir unsere Regensachen nicht oft gebraucht haben. Auch Aiko hatte einen kleinen Rucksack für seine Snacks und einigen Kleinkram, der so immer griffbereit war, so dass wir unsere schweren Rucksäcke nicht laufend absetzen mussten.

Hinweise zur Wanderung

Wer nicht übernachtet, und die Tour somit an einem Tag machen möchte, sollte aber unbedingt früh starten. Die Tour wird mit 10-12 Stunden angegeben und kann von Juni bis September begangen werden. Ich würde sagen, wir sind recht gut trainiert und haben den Hinweg mit einigen kleineren Pausen mit schwerem Campinggepäck in 5 Stunden geschafft. Zurück ging es etwas schneller, da haben sich aber doch auch unsere Muskeln bemerkbar gemacht. Der Weg an sich ist nicht besonders schwierig oder schmal, aber es gibt einige steile Passagen, daher sollte man schon eine gute Kondition mitbringen. Für einen normalen Hund sollte die Strecke kein Problem sein. Wir haben auch einen deutlichen kleineren Terrier gesehen, der die Strecke gut gemeistert hat. Da in Norwegen Leinenpflicht herrscht, hatten wir Aiko meistens an der Joggingleine. Die anderen Wanderer waren ihm gegenüber alle sehr freundlich gestimmt.

Gegen 14 Uhr kamen wir am Parkplatz an. Der kostete sage und schreibe 500 NOK (50 Euro), aber immerhin für 24 Stunden. Der obere Parkplatz für 600 NOK war schon voll. Bergauf haben wir uns den Luxus des Shuttlebusses gegönnt, um die 4 km Teerstraße zu sparen. Der Bus, der letzte an diesem Tag, war eigentlich schon voll. Wir durften aber zu dritt, auf dem Boden sitzend, mitfahren, da niemand ein Problem mit Aiko hatte. Besser schlecht gefahren als gut gegangen, wie man so schön sagt.

Skjeggedal

Jetzt konnte es endlich losgehen. Ab dem Startpunkt Skjeggedal schlängelt sich der Weg 9 km durch sehr schöne Landschaften. Man muss etwa 900 Höhenmeter bewältigen. Der Weg ist sehr gut mit roten T’s markiert und jeder geschaffte Kilometer ist auf einem Stein angeschrieben.

Es sind einige steilere Stücke dabei, aber insgesamt konnte man den Weg gut gehen. Unterwegs hat man immer wieder beeindruckende Aussichten auf Fjorde und sogar einen Staudamm. Wir sind oft zum Gucken und Fotografieren stehen geblieben. Zudem finden sich überall kleine Bäche oder Wasserfälle an denen wir unsere Wasserflaschen wieder auffüllen konnten. Für Aiko hätten wir gar nichts mitnehmen müssen, da es mehr als genug Wasser für ihn gab. Für ihn war die Wanderung kein Problem, da er kein Problem mit Abgründen hat und auch sonst sehr fit ist.

Endlich geschafft: Die Trolltunga

Die Trolltunga sieht man wirklich erst kurz bevor man sie erreicht. Sie befindet sich etwa 700 Meter über dem See Ringedalsvatnet und die Aussicht ist spektakulär.  

Das Schöne am Abend anzukommen ist, dass dann nur noch wenigen Leute anzutreffen sind. Und ja, auch um 19 Uhr standen bestimmt zwanzig Leute an der Trolltunga in einer Schlange an, um Fotos zu machen. Faszinierend fand ich, wie toll das funktioniert hat. Die Leute drückten irgendjemandem ihre Kameras in die Hand, stellten sich geduldig an und genossen dann ihren Moment auf der Trolltunga. Manche trugen bunte Hüte oder ließen die Beine baumeln. Der Klassiker sind natürlich die berühmten Springbilder. Als es etwas ruhiger wurde, mussten wir das natürlich auch unbedingt ausprobieren.

Ich war überrascht, dass die Trolltunga doch breiter war, als ich gedacht hätte. Da spielt einem die Perspektive einen kleinen Streich. Zudem ist sie leicht nach oben geneigt, so dass man nicht das Gefühl hat, nach vorne runter zu fallen. Trotzdem war es ein verrücktes Gefühl, die zehn Meter bis zur Spitze zu laufen und hinunter auf den Stausee zu schauen. Unser tougher, kleiner Hund war auch mit dabei und so ist mein absolutes Lieblingsbild von uns dreien auf der Trolltunga entstanden.

Als wir uns satt gesehen hatten, sind wir einfach ein Stück ums Eck gegangen und haben unser Zelt mit Blick auf den Ringedalsvatnet See aufgeschlagen. Da es im Sommer eigentlich gar nicht richtig dunkel wird, hatten wir genug Zeit uns einzurichten und die Aussicht zu genießen. Zum Abendessen gab es Spaghetti und ein Bier. Es war mein erstes Mal wild zu Campen und dann gleich mit so einer grandiosen Aussicht.

Das Jedermannsrecht

Das ist in Norwegen übrigens erlaubt. Es gilt das Jedermannsrecht (allemannsretten), ein traditionelles Recht aus dem Jahr 1957, dass Teil des Gesetzes über das Leben im Freien ist. Es sorgt dafür, dass jeder die Natur ohne Einschränkung genießen kann. Es besagt, dass man überall auf dem Land ein Zelt für die Nacht aufstellen darf. Man muss dabei 150 m vom nächsten bewohnten Gebäude entfernt sein. Bewirtschaftete Felder und Rastplätze sind ausgenommen. Natürlich sollte man die Natur respektieren und alles wieder so verlassen, wie man es vorgefunden hat.

Der Rückweg

Am nächsten Morgen haben wir unser Zelt wieder abgebaut und sind noch ein Stück weitergelaufen. Ich hatte nämlich von einem Mini Preikestolen (Felsvorsprung) gelesen. Der war auch wirklich so mini und menschenleer, dass wir fast vorbeigelaufen wären. Hier konnten wir nochmal ganz ungestört die tolle Aussicht auf den Stausee genießen.

Danach machten wir uns auf den Rückweg, an dem wir natürlich auch noch einmal an der Trolltunga vorbeikamen. Da hatte sich um 11:30 Uhr schon eine lange Schlange gebildet.

Mit dem Rückweg, den wir komplett bis zum Parkplatz zurückgelegt haben, sind wir insgesamt 24 km gelaufen. Am Parkplatz angekommen gab’s erst mal Eis und Cola vom Kiosk und unsere qualmenden Füße haben wir in den Bach gehalten. Abends haben wir uns inklusive Aiko alle wie die Rentner vorwärtsbewegt. Aber selten hat sich ein Muskelkater so gelohnt, wie bei dieser Wanderung.

Unser Fazit

Auch wenn diese Wanderung durch das Internet schon lange kein Geheimtipp mehr ist, ist sie wirklich empfehlenswert. Durch ihre Länge, kann sie jedoch nicht jeder machen, so dass man hier deutlich weniger und gut trainierte Wanderer sieht, als zum Beispiel am Preikestolen. Empfehlenswert ist eine Übernachtung an der Trolltunga. Man muss zwar seine Campingausrüstung mitschleppen, kann aber die Aussicht ohne großen Menschenandrang genießen und erlebt Sonnenaufgang und -untergang. Mensch und Hund sollten fit sein, besondere Fähigkeiten oder Ausrüstung sind aber nicht nötig.

Das Wichtigste zusammengefasst:

  •  Start am Parkplatz; Kosten 500 NOK (ca. 50 Euro)
  •  Hin- und Rückweg 28 km (mit Shuttle 20 km); 900 Höhenmeter

  • 10-12 Stunden Gehzeit
  • Trittsicherheit erforderlich, aber gut machbar, wenn man Ausdauer hat (wird mit „schwer“ angegeben

  • Für sportliche Hunde gut machbar; Trinkmöglichkeiten auf der Strecke; Leinenpflicht

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