Südtirol,  Wanderungen

Unsere Wanderung zu den Drei Zinnen – Aikos erster Klettersteig

Klettersteig mit Hund

Erst einmal ein paar Worte zum Thema Hund und Klettersteig vorweg:

Aiko hat eine Schulterhöhe von 50 cm und wiegt 21 kg. Damit ist er zu sperrig, um ihn in einen Rucksack zu packen, was die einfachste Möglichkeit gewesen wäre. Wir haben daher ein spezielles Klettergeschirr (Ruffwear Double Back Harness) gekauft und ihn mit Bandschlingen und Karabinern auf dem Rücken befestigt. Das Ganze hat gut funktioniert, man sollte aber auf jeden Fall schon mal einen Klettersteig gemacht haben und die nötige Kondition mitbringen, um den Hund zu tragen und zu klettern. Auch muss das Gewichtsverhältnis stimmen. Ich hätte Aiko nicht tragen können, daher hat Aikos Herrchen das übernommen. Empfehlen will ich es also nicht, aber mit Klettererfahrung ist es, wie man sieht, machbar. Ist der Hund klein genug, um in einem Rucksack getragen zu werden und die nötige Erfahrung vorhanden, kann ich mir das hier gut vorstellen. Die Klettersteige waren für uns nicht sehr schwer. Man sollte jedoch beachten, dass die ganze Wanderung 22km lang ist. Das heißt Zwei- und Vierbeiner brauchen eine gute Kondition und es muss genug Zeit eingeplant werden.

Die Vorbereitungen

Wir haben unsere Wandersachen inklusive Klettersteigsets in einen Rucksack gepackt, damit später einer den Rucksack und der andere Aiko auf den Rücken nehmen kann. Rucksack vor dem Bauch auf dem Klettersteig ist auf keinen Fall empfehlenswert! Anschließend haben wir uns auf den Weg zur Fischleinbodenhütte gemacht, wo man für 5 Euro pro Tag (Stand Juli 2019) parken konnte. Der Parkplatz war aber um 11.00 leider schon voll, also haben wir 500m die Straße runter am Straßenrand geparkt, wie einige andere Leute auch und sind dann wieder hochgelaufen.

Gleich zu Beginn ging es hoch hinaus

Vom Parkplatz sind wir auf dem Weg 103 bis zur Talschlusshütte (1548m) gelaufen. Hier war der Weg noch breit und flach und alles was Beine hatte, war unterwegs. Danach ging es etwa 700 Höhenmeter steil bergauf bis zur Zsigmondy-Comici-Hütte. Der Aufstieg in der prallen Sonne dauerte ungefähr 2 Stunden und war zwar anstrengend, aber ganz gut machbar. Oben haben wir trotzdem erst mal ein kaltes Spezi (0,4L für 5 Euro!) gebraucht.

Danach ging es weiter auf Steig 101 über das Oberbachernjoch (2519m) und die Büllelejoch Hütte zum Büllelejoch (2522m) Von dort konnte man die Drei-Zinnen-Hütte schon sehen und hätte die Möglichkeit gehabt zu ihr abzusteigen ohne klettern zu müssen.

Für uns ging es auf gleicher Höhe weiter in Richtung Klettersteig. Die Landschaft hier hat mich eher an Südamerika erinnert und war schon allein einen Besuch wert. Auf dem Weg konnten wir zweimal Murmeltiere mit dem Fernglas beobachten. Hatte ich vorher auch noch nie gesehen. Es saßen immer ein oder zwei vor einem Bau und haben die anderen durch schrille Pfiffe gewarnt, wenn sich jemand genähert hat.

Der Klettersteig

Am Schartensteig (Schwierigkeit B) wurde es dann spannend. Wir zogen unsere Klettersteigsets an und Aiko sein Sicherheitsgeschirr mit den Beinschlaufen. Man konnte schon eine Leiter und einen steilen Anstieg erkennen. Da hatten wir doch ganz schön Respekt, aber der Anfang sollte auch zugleich der schwierigste Teil mit der einzigen Leiter sein. Aiko wurde auf Herrchens Rücken festgeschnallt, mit Lob und Leckerlis überschüttet und los ging’s.

Das erste Stück wurde Aiko komplett getragen, weil es keine Möglichkeiten zum Absetzen gab. Danach wurde es dann deutlich einfacher. Wir haben Aiko an unserem Klettergurt eingeklinkt und ihm den besten Weg gezeigt, dem er nach kurzer Zeit auch vertrauensvoll gefolgt ist.

Der Schartensteig, ein alter Kriegsteig, führte uns dann relativ eben zur Gamscharte (2650m) am Paternkofel. Die Aussicht war atemberaubend. So etwas hatten wir noch nie gesehen.

Dann begann der Klettersteig Parternkofel. Immer wieder hatte man hier tolle Ausblicke auf die drei Zinnen und die Schustergruppe. Theoretisch kann man hier noch hoch zum Gipfel des Parternkofel (2744), aber aus Zeitgründen und weil der Weg nicht hundetauglich aussah, haben wir uns das gespart.

Der Abstieg

Von hier aus sollten wir eigentlich den Abstieg durch einen alten Kriegsstollen 600m durch das Innere des Berges nehmen. Dort wäre man über den De Luca Innerkofler Steig (B) zur Drei Zinnen Hütte gekommen. Den haben wir aber irgendwie verpasst und stattdessen versehentlich die wohl weniger überlaufene Alternative genommen.

So sind wir also dem wunderschönen Passportensteig (A/B) nach Süden zur Passportenscharte (2530m) und weiter zum Patternsattel (2454m) gefolgt. Der Weg war mein absolutes Highlight. Zwischendurch waren immer wieder Löcher im Felsen, durch die man auf die Drei Zinnen sehen konnte. Aiko konnte hier ganz gut laufen, außer an einer Stelle musste er hoch auf einen Felsabsatz. Herrchen ist also hochgeklettert und hat Aiko an seinen Henkeln hochgezogen, während ich von unten geschoben habe und zack war er oben, bevor er richtig gemerkt hatte, was wir vorhaben. Er hat erst etwas verdutzt geschaut, dann aber die Leckerlis und Bewunderung genossen. Zu dem Zeitpunkt hatten wir uns auch langsam gut eingespielt. Wobei es doch auch anstrengend war, für sich selbst und dann noch für Aiko mitzudenken.

Die Drei Zinnen

Schließlich kamen wir passend zum Sonnenuntergang an den Drei Zinnen an. Eine handvoll Fotografen war da, die die Mautstraße zur Drei Zinnen Hütte genommen hatten und den kurzen Weg von dort gelaufen waren. Ansonsten waren wir fast allein. Hier haben wir erst mal unsere Klettersachen ausgezogen und verstaut und dann die Landschaft genossen. Es sah aus wie nicht von dieser Welt. An den Fotos habe ich tatsächlich kaum etwas bearbeitet. Es sah wirklich schon so aus.

Der Abstieg

Als es fast dunkel war machten wir uns an den 7km langen Abstieg zurück zum Auto. Dafür hatten wir Stirnlampen eingepackt. Wir sind erst mal den kurzen Weg zur Drei Zinnen Hütte gewandert (2405m) und haben noch schnell etwas getrunken. Auf der Hütte wuselten die Übernachtungsgäste herum, genossen die Aussicht oder machten sich bettfertig. Das könnte ich mir auch gut mal vorstellen.

Der Weg nach unten war ein einfacher aber steiniger Waldweg, der sich unendlich gezogen hat. Da hätte ich mir dann fast gewünscht die 30 Euro Maut gezahlt zu haben. Dazu hat Aiko irgendwann angefangen sich ständig nach hinten umzudrehen, ohne das wir den Grund erkennen konnten. Wir hatten vorher irgendwo gelesen, dass sich hier langsam wieder Wölfe ansiedeln, also sind wir noch einen Schritt schneller gegangen. 😀 Wahrscheinlich hatte Aiko das auch gelesen, uns ist aber nichts begegnet. Nach einem nicht enden wollenden Abstieg waren wir um Mitternacht wieder am Auto. Für den tollen Sonnenuntergang hat sich der Rückweg definitiv gelohnt, ist aber bestimmt nicht jedermans Sache.

Unser Fazit

Das war ganz klar die beeindruckenste Wanderung, die wir je gemacht haben. So raue, wilde Berge hatten wir vorher noch nie gesehen und besonders der alte Kriegsteig bot wunderschöne Aussichten, so dass wir gar nicht gemerkt haben, wie lange wir unterwegs waren.

Insgesamt haben wir nämlich 12 Stunden gebraucht, was hauptsächlich daran lag, dass wir mit Aiko auf den Klettersteigen viel langsamer waren. Das hatten wir vorher auch eingeplant. Angegeben waren übrigens 8 Stunden reine Wegzeit. Meistens schaffen wir die angegeben Zeiten auch ungefähr, hier haben wir aber auch noch eine ganze Weile an den Drei Zinnen im Sonnenuntergang gestanden. Theoretisch könnte man danach auch auf der Drei-Zinnen-Hütte übernachten, wenn man nicht im Dunkeln wieder runter laufen möchte.

Das Wichtigste zusammengefasst

  • Dauer der Wanderung ohne Hund ca. 8 Stunden (mit Hund bei uns 12 Stunden)
  • Höhenmeter rauf und runter: 1400
  • Länge 22 km
  • Höchster Punkt: 2700m
  • Schwieriegkeit: Schwer (nur für Geübte mit Klettersteigerfahrung), Kondition und Trittsicherheit erforderlich
  • man kommt über eine Mautstraße (30 Euro) auch direkt zur Drei-Zinnen-Hütte und spart sich so die 700 Höhenmeter (12 km) Auf- und Abstieg
  • man kann auf der Drei-Zinnen-Hütte übernachen
  • Wasserflaschen kann man auf den Hütten auffüllen

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